Mauern einreißen

Ist es nicht wundersam, dass das, was wir am meisten fürchten ins Gegenteil gekehrt werden kann und uns den wahren Grund der Angst vor Augen führt?

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Alles was Bindung beinhaltet, bedeutete für mich erdrückende Verantwortung, Zugeständnisse die mich fesseln, Erwartungen an mich selbst, die ich nicht erfüllen konnte – nach allem was ich wusste: wer würde sich tatsächlich für mich entscheiden, mich aushalten, an lieben noch gar nicht zu denken! – und vor allem: gesehen werden mit allen Hochs und Tiefs. Undenkbar!

Aber das Gefährlichste hat sich lange hinter all‘ dem versteckt. In Bindung liegt Zugehörigkeit, ankommen, akzeptiert werden und geliebt werden. Aber für mich steckte dort auch die Angst vor Verlust. So kostbar das Gefühl geliebt und getragen zu werden, so angsteinflößend der Gedanke daran, das alles zu verlieren. Es gibt keine Garantie. Es gibt nur das Leben. Ich schreibe „nur“ und meine: die Unberechenbarkeit und das Chaos, aus denen Wunder und Wunden hervorgehen, die uns in die Knie zwingen und wachsen lassen. Aber aus Angst den Kopf einziehen, sich unter der Decke verkriechen? Das funktioniert nur bedingt, denn wenn wir nicht voller Vertrauen aufs Ganze gehen, verwehren wir uns nicht nur den Wunden, sondern auch den Wundern. Wir können nicht einseitig dämpfen. Die Spitzen der Tiefs, die wir so sehr fürchten, kappen wir zu einem hohen Preis!

Die Angst, das zu verlieren, was ich gerade endlich gewonnen habe, was ich gerade endlich leben darf, hat mich die letzten Wochen schleichend überkommen. Und es ist schwer sich von ihr zu lösen.

Nun sind wir Menschen meist so gestrickt, dass wir durch unser Handeln – das ja eigentlich darauf ausgerichtet ist, das Gefürchtete zu verhindern – genau der Angst in die Hände spielt. Weil wir aus Angst gegen die Angst handeln wollen, beschwören wir das Gefürchtete herauf.

Die Angst vor Verlust kann sich in verschiedenen Arten manifestieren. Sie kann das Gesicht der Eifersucht, des Zurückziehens oder des Klammerns haben. Und der ultimative Schutz ist keine Bindung eingehen, keine Nähe zulassen.

Aus Angst gegen die Angst zu handeln, fühlt sich an wie ein Drang – den anderen zu sehen, ihn an einen zu binden, zu gefallen und selbst ganz klein zu sein. Dieser Drang unterscheidet das Handeln aus Angst vom Handeln aus Liebe. Denn die Liebe sucht zwar auch ihren Gegenüber, aber sie genießt, lacht und erfüllt.

Ich muss still werden und ganz bei mir sein, um zu wissen, leitet mich die Angst, werde ich getrieben? Und ich muss mich erinnern, dass ich nichts und niemanden wirklich verlieren kann. Außer den Kontakt zu mir selbst. Es hilft zu lachen und sich abzulenken und zu genießen, genießen, genießen. Denn es gibt keine Garantie, aber den Moment voller Liebe.

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